Gerüst Kosten Schweiz: Preis pro m², Miete und Beispiel Einfamilienhaus
Was kostet ein Gerüst? Preis pro m², Gerüstmiete, Rechenbeispiel Einfamilienhaus, Zuschläge und Gebühren – und wie Sie Offerten richtig vergleichen.
Was ein Gerüst kostet, hängt weniger von einem «Marktpreis» ab als von der Gerüstfläche, den Arbeiten, die darauf ausgeführt werden, und der Standzeit. In der Schweiz rechnen Gerüstbaufirmen meist pro Quadratmeter Gerüstfläche ab, ergänzt um Miete, Zuschläge und allfällige Gebühren für öffentlichen Grund. Öffentlich zugängliche, methodisch belegte Durchschnittspreise gibt es nicht. Deshalb ist ein sauberer Offertvergleich wichtiger als jeder Richtwert.
Wie wird ein Gerüst abgerechnet?
Grundlage vieler Verträge sind die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Schweizerischen Gerüstbau-Unternehmer-Verbands (SGUV). Sie erklären die SIA-Norm 118/222 «Allgemeine Bedingungen für Gerüstbau» zum Vertragsbestandteil. Diese Norm regelt in Art. 5.2, wie die Gerüstfläche ausgemessen wird, und sie bestimmt, welche Leistungen ohne besondere Beschreibung im Preis enthalten sind. Die Ausmassregeln gelten gemäss SGUV-AGB auch dann, wenn die Offerte nicht auf dem NPK aufbaut. Viele Offerten verwenden zudem die Positionen des Normpositionen-Katalogs NPK 114. Mehr dazu im Glossar unter SIA 118/222.
Eine typische Offerte besteht aus diesen Teilen:
| Position | So wird abgerechnet | Worauf Sie achten sollten |
|---|---|---|
| Gerüst (Grundpreis) | Pro m² Gerüstfläche, inklusive Transport, Montage, Demontage und Grundmietdauer | Welche Mietdauer ist enthalten? |
| Miete über die Grunddauer hinaus | Pro m² und Woche oder Monat | Preis für Verlängerung und Teilrückbau |
| Zuschläge | Pro Stück oder Laufmeter, etwa für Konsolen, Dachdeckerschutzwand, Netze, Treppenturm oder Aufzug | Sind Spenglergang und Treppenaufgänge eingerechnet? |
| Arbeiten nach Aufwand | Nach dem Regietarif des SGUV, etwa für Umbauten oder Mängelbehebung | Wer löst Umbauten aus und wer bezahlt sie? |
| Öffentlicher Grund | Gebühren der Gemeinde nach Fläche und Dauer | Wer stellt das Gesuch? |
Gemäss SGUV-AGB sind unter anderem der Transport bis 30 m zum Verwendungsort, übliche Verankerungen in Beton oder Mauerwerk, die Beschilderung mit Nutzlast und Zutrittsverbot sowie eine einmalige Überprüfung des Gerüsts im Einheitspreis enthalten. Nicht enthalten ist etwa die Nutzung des Gerüsts als Werbefläche: Dafür sehen die AGB eine Vergütung von mindestens 15 Prozent der Werbeeinnahmen vor.
Welche Richtwerte gibt es?
Für die Schweiz gibt es keine frei zugängliche, repräsentative Erhebung der Gerüstpreise. Die am häufigsten zitierten Werte stammen von Offertportalen:
- Ofri schreibt, dass «nach Analyse bisheriger Offerten auf Ofri» die Kosten für den Gerüstbau «etwa zwischen CHF 10.- und CHF 25.- pro Quadratmeter» liegen. Der Preis beinhalte Transport, Aufstellen, Miete sowie Abbau inklusive Abtransport. Stichprobe, Zeitraum und Mehrwertsteuer nennt das Portal nicht.
- Daibau gibt 5 bis 22 Franken pro Quadratmeter für Lieferung, Montage und Demontage eines Gerüsts bis 10 m Höhe an und bezeichnet die Werte als Richtpreise. Die Angaben zur Miete pro Woche widersprechen sich auf derselben Seite, weshalb wir sie hier nicht wiedergeben.
Verstehen Sie Portalwerte als grobe Orientierung: Die tatsächlichen Kosten hängen stark von Höhe, Gliederung der Fassade, Zugänglichkeit und Standzeit ab. Einen verlässlichen Gerüst-Kostenrechner für die Schweiz gibt es deshalb nicht; für Ihr Objekt braucht es eine Offerte.
Beispiel Einfamilienhaus
Für eine erste eigene Schätzung brauchen Sie die Gerüstfläche. Vereinfacht ist das die Länge des Gerüsts rund um das Haus mal seine Höhe. Ein Beispiel:
| Annahme | Wert |
|---|---|
| Grundriss des Hauses | 12 × 8 m, also 40 m Fassadenumfang |
| Gerüsthöhe bis zum obersten Gang | rund 6 m |
| Gerüstfläche vereinfacht | 40 m × 6 m = 240 m² |
| Ofri-Spanne 10 bis 25 Franken pro m² | rechnerisch 2’400 bis 6’000 Franken |
Das ist eine Illustration, kein Richtpreis. Die abgerechnete Fläche fällt meist etwas grösser aus, weil das Gerüst vor der Fassade steht und an Giebeln höher reicht; massgebend ist das Ausmass nach SIA 118/222, das der Gerüstbauer in der Offerte ausweist. Ofri nennt zudem nicht, wie viele Wochen Miete in der Spanne enthalten sind.
Beim Einfamilienhaus kommen typischerweise diese Positionen dazu:
- Arbeiten am Dach: Wird auch an Dachrinne oder Dach gearbeitet, braucht es ab mehr als 2 m Absturzhöhe einen Spenglergang, ab 30° Dachneigung zusätzlich eine Dachdeckerschutzwand.
- Lastklasse: Für Malerarbeiten genügt ein leichtes Gerüst. Für Verputz mit Materiallagerung oder Steinarbeiten braucht es ein schwereres und damit teureres Gerüst.
- Standzeit: Planen Sie die Arbeiten so, dass das Gerüst nicht ungenutzt steht. Verzögerungen anderer Gewerke verlängern die Miete.
- Netze, Treppen, Trottoir: Netze gegen Farbnebel oder Staub, zusätzliche Aufgänge und Gebühren für öffentlichen Grund werden separat verrechnet.
Wann ein Gerüst überhaupt vorgeschrieben ist, erklärt der Ratgeber Ab welcher Höhe braucht es ein Gerüst?.
Gerüstmiete pro Tag, Woche oder Monat
Bei Fassadengerüsten ist eine Grundmietdauer meist im Quadratmeterpreis enthalten. Steht das Gerüst länger, wird Miete pro Quadratmeter und Woche oder Monat fällig. Ist die Miete nicht im Festpreis enthalten, ist sie nach den SGUV-AGB monatlich im Voraus zu bezahlen. Tagestarife sind vor allem bei Rollgerüsten und reiner Materialmiete üblich, oft zusammen mit einer Kaution.
Verlässliche öffentliche Wochenpreise gibt es nicht (Stand: Oktober 2026); deshalb nennen wir hier keine. Lassen Sie sich in jeder Offerte nennen, wie viele Wochen im Grundpreis enthalten sind und was jede weitere Woche oder jeder weitere Monat kostet. Erst damit lassen sich Angebote mit unterschiedlicher Grundmietdauer vergleichen. Wer ein Gerüst mieten möchte, findet passende Betriebe unter Gerüst mieten.
Und ein Rollgerüst?
Für kleinere Arbeiten mieten viele ein Rollgerüst tage- oder wochenweise. Belastbare, öffentlich vergleichbare Schweizer Mietpreise haben wir auch dafür nicht gefunden. Der Preis hängt vor allem von Arbeitshöhe, Plattformgrösse, Mietdauer, Transport und Kaution ab; manche Vermieter bieten Aufbau und Einweisung gegen Aufpreis an. Fragen Sie bei der Offerte nach, ob Ballast oder Ausleger, Lieferung und Versicherung inbegriffen sind.
Was treibt die Kosten?
Einige Kostentreiber ergeben sich direkt aus den Vorschriften, andere aus dem Objekt:
- Lastklasse und Belagsbreite: Die Bauarbeitenverordnung (BauAV) verlangt für Maler- und Verputzarbeiten ein leichtes Gerüst mit mindestens 60 cm Belagsbreite und 2,0 kN/m² Nutzlast, für Maurerarbeiten mit Materiallagerung ein schweres Gerüst mit 90 cm Belagsbreite und 3,0 kN/m² (Art. 55). Breitere, tragfähigere Gerüste brauchen mehr Material. Mehr dazu unter Lastklasse.
- Arbeiten am Dach: Bei mehr als 2 m Absturzhöhe an der Traufe braucht es einen Spenglergang, ab 30° Dachneigung eine Dachdeckerschutzwand (Art. 41 und 58 BauAV). Mehr dazu unter Spenglergang.
- Höhe: An Arbeitsgerüsten über 25 m ist mindestens ein Aufzug für Material und Personen vorgeschrieben (Art. 56 BauAV).
- Verkleidung: Netze und Planen erhöhen die Windlast. Als Faustregel nennen SGUV und Suva höchstens 25 m² Gerüstfläche pro Anker beim unverkleideten Gerüst, 20 m² mit Netzen und 10 m² mit windundurchlässigem Material.
- Zugänglichkeit: Im Einheitspreis ist gemäss SGUV-AGB der Transport bis 30 m zum Verwendungsort enthalten. Weitere Wege, enge Zufahrten oder Kranarbeiten können Zuschläge auslösen.
- Standzeit: Verzögerungen anderer Gewerke verlängern die Miete.
- Schadstoffe: Bei Gebäuden vor 1990 kann der Fassadenputz asbesthaltig sein. Mehraufwand infolge Schadstoffen inklusive Analysen geht gemäss SGUV/Suva-FAQ zulasten von Bauherrschaft oder Besteller.
- Reinigung: Verschmutzte Gerüste muss der Besteller nach den SGUV-AGB auf eigene Kosten reinigen lassen.
Zahlungsbedingungen und Haftung
Die SGUV-AGB enthalten Regeln, die Bauherrschaften kennen sollten, bevor sie unterschreiben:
- Zahlung in zwei Schritten: Bei Festpreisen hat der Gerüstbauer bei der Übergabe Anspruch auf 80 Prozent der Vergütung, nach Demontage und Abtransport auf die restlichen 20 Prozent. Einen Garantierückbehalt gibt es für Gerüstarbeiten nicht, weil das Gerüst kein bleibender Teil des Bauwerks ist.
- Miete im Voraus: Ist die Gerüstmiete nicht im Festpreis enthalten, wird sie monatlich im Voraus fällig.
- Haftung während der Nutzung: Solange das Gerüst im Gewahrsam des Bestellers ist, haftet dieser für Elementarschäden und Beschädigungen durch ihn oder Dritte. Prüfen Sie, ob Ihre Versicherung das abdeckt.
- Verzug: Bei Zahlungsverzug sehen die AGB einen Verzugszins von 5 Prozent und 25 Franken pro Mahnung vor.
Was kostet der öffentliche Grund?
Steht das Gerüst auf Trottoir oder Strasse, braucht es die Zustimmung der Gemeinde, und es fallen Gebühren nach Fläche und Dauer an; in der Stadt Zürich sind es für Baustellen je nach Zone 8.50 bis 19 Franken pro m² und Monat, zuzüglich Bewilligungs- und Schreibgebühren (Benutzungsgebührenordnung, seit 1. Januar 2025). Fristen, weitere Gebühren und das Beispiel Basel-Stadt erklärt der Ratgeber Gerüst: Bewilligung, öffentlicher Grund und Nachbargrundstück.
Checkliste für den Offertvergleich
- Gleiche Grundlage: Geben Sie allen Betrieben dieselben Angaben: Fassadenpläne oder Masse, Arbeiten auf dem Gerüst, gewünschte Lastklasse, Termine und geplante Standzeit.
- Fläche prüfen: Vergleichen Sie die offerierte Gerüstfläche. Grosse Unterschiede deuten auf verschiedene Annahmen hin.
- Grundmietdauer: Wie viele Wochen sind im Preis enthalten, was kostet jede weitere?
- Vollständigkeit: Sind Treppenaufgänge, Spenglergang, Dachdeckerschutzwand und Abschrankungen enthalten?
- Zuschläge und Regie: Welche Arbeiten werden nach Aufwand verrechnet?
- Öffentlicher Grund: Wer stellt das Gesuch, und sind Gebühren im Preis enthalten?
- Mehrwertsteuer: Sind die Beträge inklusive oder exklusive 8,1 Prozent Mehrwertsteuer?
Gerüstbaufirmen nach Region finden Sie im Verzeichnis, Betriebe für Fassadengerüste unter Fassadengerüst und die einzelnen Gerüstarten in der Übersicht der Leistungen.
Häufige Fragen
- Was kostet ein Fassadengerüst pro Quadratmeter?
- Eine repräsentative Erhebung gibt es nicht. Das Offertportal Ofri nennt gestützt auf Offerten seiner Plattform rund 10 bis 25 Franken pro Quadratmeter inklusive Transport, Aufstellen, Miete und Abbau. Daibau gibt 5 bis 22 Franken pro Quadratmeter für Lieferung, Montage und Demontage bis 10 m Höhe an. Beide Portale legen ihre Datengrundlage nicht offen.
- Was kostet ein Gerüst für ein Einfamilienhaus?
- Das hängt vor allem von der Gerüstfläche ab. Ein Gerüst rund um ein Haus mit 40 m Fassadenumfang und 6 m Höhe ergibt grob 240 m². Mit der Spanne des Offertportals Ofri von 10 bis 25 Franken pro Quadratmeter wären das rechnerisch rund 2'400 bis 6'000 Franken inklusive Aufbau, Miete und Abbau. Das ist eine Illustration, kein Richtpreis; Zuschläge, Standzeit und Gebühren kommen dazu.
- Ist die Gerüstmiete im Preis enthalten?
- Meist ist eine Grundmietdauer im Quadratmeterpreis enthalten. Steht das Gerüst länger, wird zusätzliche Miete fällig. Lassen Sie sich in der Offerte nennen, wie lange die Grundmiete gilt und was jede weitere Woche oder jeder weitere Monat kostet.
- Sind Gerüstpreise inklusive Mehrwertsteuer?
- Das unterscheidet sich je nach Offerte und Portal. Klären Sie es vor dem Vergleich. Der Normalsatz der Mehrwertsteuer beträgt seit dem 1. Januar 2024 8,1 Prozent.
- Was kostet ein Gerüst auf dem Trottoir zusätzlich?
- Die Gebühren legt jede Gemeinde selbst fest. In der Stadt Zürich kostet öffentlicher Grund für eine Baustelle seit 1. Januar 2025 je nach Zone 8.50, 15 oder 19 Franken pro m² und Monat, dazu kommen Bewilligungs- und Schreibgebühren (Benutzungsgebührenordnung). Beansprucht ein Gerüst 20 m² Trottoir in einer Wohnzone während zwei Monaten, sind das 340 Franken Benutzungsgebühr.